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Der kleine Unitarier

Liebe kleine Unitarier,

viele von euch kennen unsere diesjährigen Konfirmanden aus dem Religionsunterricht. Für die Sechs war es ein großer, aufregender Tag. Sie haben vor über hundert Gästen ihre Beiträge zur Konfirmation vorgetragen und dafür viel Applaus erhalten. Jetzt sind sie selbständige Mitglieder unserer Gemeinde, haben diesen Anlass würdig gefeiert und auch das eine oder andere Geschenk annehmen dürfen, was ihnen sicher nicht unangenehm war.

Einige Wochen zuvor hatten wir die Jubiläums-Konfirmation gefeiert. Auch das war eine sehr festliche Veranstaltung und sicher haben die Jubilare daran gedacht, wie sie vor 70, 60, 50 oder 25 Jahren als Jugendliche ihre Konfirmation begangen haben. Dass es in diesem langen Zeitraum nicht immer nur gute Zeiten gab, könnt ihr euch sicher denken. Viele Familien hatten gerade mal so viel, dass sie überleben konnten. An Kleidung oder Geschenke zur Konfirmation der Kinder war oft gar nicht zu denken. Ich habe mal in unserem Archiv ein wenig gestöbert und bin da auf etwas Interessantes gestoßen:

Ihr wisst ja sicherlich, dass es um die Zeit der Gründung unserer Gemeinde im Jahr 1845 nicht üblich war, dass Frauen etwas zu sagen hatten. Im Gemeinderat, damals hieß er noch Presbyterium, waren nur Männer vertreten. Die Frauen waren zwar auch Mitglied, hatten aber wenig zu sagen. So haben sich dann im Juni 1869 zweiundzwanzig Frauen zusammengetan und den „Frauen-Verein der deutsch-katholischen (freireligiösen) Gemeinde“ gründet, um „sich unter einander in geselliger Vereinigung zu nähern und den ärmeren Gemeindegliedern helfend beizustehen...“. Neben dem Mitgliedsbeitrag stand ihnen ein jährlicher Betrag sowie Spenden zur Verfügung, womit sie bedürftigen Mitgliedern helfen konnten. 

Jetzt kommen wir wieder zu den Konfirmationen. Schon im Jahr 1870 erhielten drei Familien eine Unterstützung zur Ausgestaltung der Konfirmation ihrer Kinder. Fast jedes Jahr wurde für die Konfirmationen Geld bewilligt. Auch für die Ausschmückung des Saales sorgte der Frauenverein.

Leider gibt es nach 1912 in unserem Archiv keine Aufzeichnungen mehr über den Frauenverein. Doch ich weiß aus Erzählungen von älteren Mitgliedern, dass Pfarrer Clemens Taesler, der von 1918 bis 1963 Pfarrer unserer Gemeinde war, immer sogenannte „Paten“ für ärmere Kinder gesucht hat. Diese haben dann die Kinder eingekleidet und ihnen sogar noch weitere Geschenke gemacht.

Wie lange Clemens Taesler die Geschicke unserer Gemeinde geleitet hat, lässt sich ermessen, wenn wir sehen, dass er unser derzeit ältestes Mitglied, das vor kurzem hundert Jahre geworden ist, vor 86 Jahren konfirmiert hat, genauso wie sämtliche diesjährigen Jubilare bis zur Goldenen Konfirmation, also der des Jahres 1958. Zu der Zeit war unsere Weihehalle noch nicht gebaut und die Feier fand in die Universitäts-Aula statt. Wegen des großen Besucherandrangs wurden Eintritts-Ausweise verteilt, sonst hätten nicht mal die Angehörigen der Konfirmanden einen Platz gefunden. Die Kleidervorschriften waren auch etwas strenger. Die Jungen trugen schwarze Anzüge mit einem Einstecktuch und Blümchen am Revers, die Mädchen hatten weiße Kleider an. Das Foto, auf dem ihr das sehr gut erkennen könnt, stammt aus dem Jahre 1967. Zu der Zeit trugen die Mädchen keine Kränzchen mehr auf dem Kopf wie in früheren Jahren.

So seht ihr, wie die Zeiten sich ändern. Jeder darf sich heute so anziehen, wie er möchte und worin er sich wohl fühlt. Ich finde, es ist immer sehr schön, wenn unsere Jugendlichen so toll gekleidet in die Weihehalle einziehen. Ich beobachte das immer von der Empore aus, da kann man alles überblicken. Ihr müsstet mal die Eltern sehen, wie stolz sie auf ihre Kinder sind. Und diese wiederum sind total aufgeregt, fast so wie der Pfarrer, der immer vor der Konfirmation ein Nervenbündel ist, als würde er es das erste Mal machen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich auch immer erleichtert bin, wenn die Konfirmanden ihre Beiträge vorgetragen haben und man den Stein plumpsen hört, der ihnen vom Herzen fällt. Denn es braucht schon etwas Mut, vor so vielen Menschen zu sprechen. Und das haben Felix, Tizia, Moritz, Rhea, Felix und Annika in diesem Jahr ganz besonders gut geschafft.

Am Ende stößt dann die ganze Gemeinde auf das Wohl der Konfirmanden an, die für einen schönen, unvergesslichen Tag gesorgt haben.

Bis zum nächsten Mal

Euer Kleiner Unitarier.

 
 
" Euer Kleiner Unitarier"
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