dot.gif (807 Byte)

Der kleine Unitarier

Blickt man von einer der Mainbrücken auf Frankfurt, fallen einem neben dem Dom besonders die Hochhäuser ins Auge. Das sieht alles so neu aus und man könnte fast vergessen, dass Frankfurt bereits vor über 1200 Jahren gegründet wurde. Und in so einer alten Stadt hat sich, wie ihr euch sicher denken könnt, einiges zugetragen, was in vielen Geschichten und Legenden niedergeschrieben wurde. In einer dieser Geschichten dreht sich alles um eine der besagten Mainbrücken, um die Alte Brücke, und ich will euch dieses Schmuckstück aus der großen Schatulle der Frankfurter Legenden und Sagen nicht vorenthalten.

Der Brickegicke

Die Legende vom „Brickegickel“

Zu einer der Messen war ein fremder Baumeister gekommen. Nach einem langen Messetag suchte er Erholung in einer der Schenken der Stadt. Nachdem er dort zu viel Wein getrunken hatte, geriet er mit einem der anderen Gäste in einen wütenden Streit, der damit endete dass der Baumeister den anderen mit einem Messer erstach. Herbeigerufene Stadtwächter nahmen ihn fest, warfen ihn bei Wasser und Brot in den Turm und ketteten ihn an der Mauer fest.

Einer der Ratsherren aber hatte gehört, dass der Delinquent ein hervorragender Brückenbaumeister sein sollte. Der Rat der Stadt nun gedachte, daraus einen Nutzen ziehen zu können. Bisher gab es nämlich nur eine Brücke aus Holz, die immer wieder durch Witterung zerstört wurde und die Stadt plante, eine massive in Stein bauen zu lassen. Man gab also dem Steinmetz die Chance, sein verwirktes Leben durch den Bau der steinernen Brücke zurückzuerlangen. Jedoch musste er innerhalb von zwei Monaten diese Brücke fertig gestellt haben, sollte er diesen Termin um nur einen Tag überschreiten, müsse sein Kopf fallen.

Der Baumeister sagte natürlich zu. Aus Steinbrüchen im Odenwald holte man die nötigen Steinquader her und Bogen um Bogen entstand. Doch wieder gab es Hochwasser und Eisgang, und der Bau konnte nicht rechtzeitig fertig werden. Der rat der Stadt blieb hart in seiner Entscheidung. Da fiel der Baumeister auf die Knie und rief sämtliche Heilige an, ihm zu helfen. Aber er bekam keine Antwort. Voller Zorn rief er daher die Hilfe des Teufels an und siehe da, dieser kam und versprach Hilfe. Noch in dieser Nacht werde er den Brückenbau vollenden, aber nur unter einer Bedingung. Ihm solle die Seele des ersten Lebewesens gehören, dass die Brücke überscheiten werde. Wohl wusste der Baumeister um den Brauch, dass der Baumeister selbst über sein Bauwerk als Erster ging, um die Festigkeit derselben zu demonstrieren.

Am nächsten Morgen wurde der Meister durch das Krähen eines Hahnes geweckt. Er trat vor die Tür und sah, dass der Teufel sein Wort gehalten hatte. Als am Morgen die Ratsherren kamen, sahen sie mit Verwunderung, dass die Brücke fertig gestellt war. Sie riefen dem Meister zu, er solle über die Brücke zu ihnen kommen, wie es der Brauch befehle. Der Baumeister machte sich auf den Weg, wohl wissend dass der Teufel auf der anderen Seite auf ihn wartete. Keinem der Ratsherren fiel auf, dass er einen Sack bei sich trug. Mitten auf der Brücke öffnete er diesen und holte den Hahn heraus, der ihn am Morgen geweckt hatte. Er trieb diesen vor sich her in Richtung Sachsenhäuser Seite. Am anderen Ufer konnten die Ratsherren sehen, wie dieser Hahn in die Luft geworfen und in Stücke zerrissen wurde. Der Teufel war um seine Seele betrogen worden und begann, die Brücke mit Felsen aus dem Main zu zerstören. Da aber von Ferne ein Glockengeläut erklang, musste der Teufel sich in die Hölle zurückziehen. Das Loch, das er mit dem Felsen in die Brücke geschlagen hatte, konnte nicht ausgebessert werden. Immer über Nacht war es von Neuem da daher beschloss der Rat, es mit Holzdielen abdecken zu lassen.

Der Baumeister aber durfte sein Leben behalten und bevor er aus der Stadt zog, ließ er einen kunstvollen Hahn auf einem Kreuz anfertigen, der auf der Brücke angebracht wurde.

Das Loch in der Brücke hat es wirklich gegeben. Es war ein Teil der Frankfurter Befestigungsanlage. Durch das Herausziehen der Balken war die Brücke für Fremde unpassierbar und somit war für Feinde der Zugang zu Frankfurt versperrt.

(Quelle: Stadt Frankfurt am Main: Räuber-Richter-Gerechtigkeit, S.22.

Eine tolle Geschichte, wie ich finde. Solltet ihr einmal über die Alte Brücke laufen, schaut doch mal, ob Ihr den Hahn irgendwo entdeckt.

Übrigens, zurzeit gibt es eine tolle Ausstellung über die Alte Brücke im Karmeliterkloster in Frankfurt. Vielleicht habt ihr Lust, diese mal zu besuchen. Aber beeilt euch, die Ausstellung endet bereits am 20. Juni.

Euer Kleiner Unitarier.

" Euer Kleiner Unitarier"
UNITARISCHE FREIE RELIGIONSGEMEINDE
Fischerfeldstraße 16
60311 Frankfurt am Main
Tel: 069-28 03 82
info@unitarier.net
 
dot.gif (807 Byte)
© 2010 Unitarische Freie Religionsgemeinde Frankfurt/Main