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Dreimal
nachdenken,
bitte!
Es
ist ein
innerer
Antrieb des
Menschen,
etwas über
sich und die
Welt, in der
er lebt, in
Erfahrung
bringen zu
wollen. Was
ist der
Mensch? Wo
kommt er her?
Warum ist er
auf der Erde?
Was war vor
dem Urknall?
Warum gibt es
die Erde, das
Universum?
Warum gibt es
eigentlich überhaupt
irgendetwas
und nicht etwa
nichts?
Das
sind ziemlich
schwierige
Fragen und
seht es mir
bitte nach,
wenn ich euch
darauf auch
keine
Antworten
geben kann.
Niemand kann
das. Zumindest
nicht so, dass
alle Menschen
auf Erden
zustimmend mit
dem Kopf
nicken und
sagen: „Ja,
stimmt, so ist
es, die
Geheimnisse
der Welt und
des Menschen
sind ein für
alle Mal geklärt.“
Es gibt zwar
Menschen, die
behaupten,
genau zu
wissen, was es
mit dem Leben,
dem Universum
und dem ganzen
Rest auf sich
hat, doch ob
diese richtig
liegen, ist
mehr als
zweifelhaft.
Sei’s
drum, auch
wenn der
Mensch so
seine
Schwierigkeiten
hat, Antworten
auf die großen
Fragen seiner
Existenz zu
finden, bemüht
er sich
zumindest
stetig, alles,
wirklich
alles, zu
verstehen. Er
rechnet, er
misst, er
analysiert, er
glaubt und er
denkt.
Eine
der vielen
Methoden und Möglichkeiten,
etwas über
sich und die
Welt
herauszufinden,
sind
Gedankenexperimente.
Ein
Gedankenexperiment
beginnt mit
den Fragen:
„Was wäre,
wenn…“
oder „Stell
Dir vor…“
Schon im
letzten Heft
habe ich ein
solches
Gedankenexperiment
zum Thema
Krieg
vorgestellt
und nun möchte
ich
euch drei
weitere ganz
unterschiedliche
Gedankenexperimente
präsentieren,
die Zeugnis
davon sind,
wie der Mensch
versucht, sich
die Welt, in
der er lebt,
durch
Nachdenken zu
erschließen.
Unsterblichkeit
Was
wäre, wenn
der Mensch
unsterblich wäre?
Vielleicht
habt ihr euch
diese Frage
auch schon
einmal
gestellt. Das
wäre doch
eine tolle
Sache, lebte
man für
immer. Für
immer auf der
Welt zu sein,
bedeutete
unendlich viel
Zeit für die
Dinge zu
haben, die
einem Spaß
machen. Und
stellt euch
mal vor, wie
oft ihr
Geburtstag
feiern könntet!
Das hört sich
doch gar nicht
so schlecht
an. Allerdings
ist „für
immer“ eine
verdammt lange
Zeit. Man hätte
zwar alle Zeit
der Welt, die
Dinge zu
erledigen, die
man sich
vorgenommen
hat, doch was
wäre, wenn
man schließlich
alle Sachen
getan hätte?
Vielleicht bräche
die große
Langeweile
aus. Und nicht
nur das. Lebte
man im
Bewusstsein,
das Leben habe
kein Ende,
kein Tod stünde
am Ende des
Lebens, warum
sollte man aus
dem Jetzt,
Hier und Heute
noch etwas
machen. Das könnte
man doch auch
noch morgen,
in einem Jahr
oder in
hundert Jahren
erledigen.
Warum sollte
man überhaupt
noch etwas
erledigen? Ich
glaube, dieser
Umstand wäre
für den
Menschen
ziemlich
belastend,
schließlich gäbe
es keine Ziele
mehr, die
einen im Leben
antreiben, und
man verlöre
vermutlich
ziemlich
schnell die
Freude an den
Dingen des
Lebens. Denkt
mal darüber
nach und
überlegt,
ob euch noch
weitere
Argumente für
oder gegen die
Unsterblichkeit
des Menschen
einfallen. Was
wäre
beispielsweise,
wenn du der
Einzige wärst,
der ewig
lebte, oder
was würde
passieren,
wären alle
Menschen
unsterblich?
Zwei
Steine im
freien Fall
Das
zweite
Experiment ist
ein ganz berühmtes
und wird heute
oft im
Physikunterricht
vom Lehrer erzählt.
Eigentlich ist
dies gar kein
klassisches
Gedankenexperiment,
da sich das
Gedachte auch
experimentell
überprüfen lässt,
doch tut das
der Sache
keinen
Abbruch. Es
geht dabei
nicht um
Unsterblichkeit
oder eine
andere
phantastische
Gedankenreise,
sondern ganz
einfach um
zwei Steine.
Fallen
schwere Körper
schneller als
leichte? Ja,
klar, würde
man gewöhnlich
denken. Fast
zweitausend
Jahre lang war dies auch eine unerschütterliche Lehrmeinung, die auf den
griechischen
Philosophen
Aristoteles
zurückgeht.
Alle Menschen
gingen davon
aus, dass das
unumstößlich
richtig ist.
Schließlich
ist das ja
auch irgendwie
logisch, denn
eine Bleikugel
fällt nun mal
viel schneller
als eine
Flaumfeder.
Der Physiker
und
Naturphilosoph
Galileo
Galilei machte
sich im 16.
Jahrhundert
darüber so
seine Gedanken
und kam zu dem
Schluss: Nein,
hier stimmt
etwas nicht.
Und bevor er
einen
experimentellen
Versuch durchführte,
machte er
folgendes
Gedankenexperiment:
Man
stelle sich
zwei
unterschiedlich
große Steine
gleichen
Materials vor.
Nach
Aristoteles müsste
der schwere
Stein
schneller
fallen als der
leichte. Bände
man nun beide
zusammen, müsste
doch der
kleine,
langsamere
Stein den Fall
des schwereren
verzögern.
Das gesamte
System würde
also langsamer
fallen. Das
klingt
logisch. Aber
hier ist doch
etwas faul,
ihr habt es
bestimmt schon
bemerkt. Die
beiden
zusammengebundenen
Steine bilden
ja nun einen
schwereren
Stein und der
müsste
eigentlich
schneller
fallen als die
beiden
getrennten einzelnen
Steine. Das
ist ein
Widerspruch,
den Galileo
Galilei durch
sein
Gedankenexperiment
aufdeckte, und
mit einem
Experiment
bewies er
auch, dass
Aristoteles
unrecht hatte,
bzw. das Ganze
doch nicht so
einfach ist.
Fragt mal
euren
Physiklehrer,
was Galilei
herausfand und
wie es sich
mit den
Fallgesetzen
wirklich verhält.
Natürlich
ist es
spannend, zu
erfahren, wie
sich Gegenstände
in unserer
Welt
verhalten,
doch besonders
interessant
finde ich an
diesem
Gedankenexperiment,
dass selbst
ganz logisch
erscheinende
Annahmen - wie
die des
Aristoteles -
sich
schlussendlich
doch als
falsch
erweisen können.
Ich finde, das
sagt Einiges
aus über
den Menschen,
wie er sich
Meinungen
bildet und wie
er der Welt
entgegentritt.
Übrigens,
viele Gelehrte
des 16.
Jahrhunderts,
die
experimentelle
Beweise nicht
gewohnt waren,
waren trotz
des von
Galileo
Galileis
erbrachten
Gegenbeweises
weiterhin von
der bis dahin
geltenden
Lehrmeinung
des
Aristoteles überzeugt.
Das
Schiff des
Theseus
Theseus
ist eine der
berühmtesten
Figuren der
griechischen
Mythologie und
war in seiner
Funktion als
Held das ein
oder andere
Mal mit dem
Schiff
unterwegs. Wie
das so ist, müssen
auch Schiffe
ab und zu
repariert
werden, was
uns zu einem
sehr, sehr
alten
Gedankenexperiment
führt:
Theseus bringt
sein kaputtes
Schiff zu
einer Werft,
wo ein paar
Planken
ersetzt
werden. Alles
ist gut, doch
nach einiger
Zeit müssen
wieder einige
alte Teile
ausgetauscht
werden. Nach
und nach
werden bei
Reparaturen
alle Teile
ersetzt und
der
Bootsbauer,
der die alten
Teile behalten
hat, beschließt,
daraus wieder
Theseus'
Schiff
zusammenzusetzen.
Das gelingt.
Nun aber gibt
es zwei
Schiffe: das,
welches
Theseus
benutzt,
welches nach
und nach aus
dem alten
entstanden
ist, und das
des
Bootsbauers,
welches aus
den
Originalteilen
von Theseus'
ursprünglichem
Schiff
besteht.
Welches ist
nun aber das
echte Schiff
des Theseus?
Das neue, das
alte, keines
oder
vielleicht
beide? Erzählt
die Geschichte
doch mal euren
Freunden und
diskutiert
diese Frage.
Ihr werdet
sicherlich
feststellen,
dass alle
Antworten auf
diese Frage
weder
vollkommen
falsch noch
vollkommen
richtig sind
– und das
kommt im Leben
häufiger vor.
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