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Gemeindefahrt vom

07. bis 12. Juni 2010

Alexander Schmahl
Gemeindefahrt 2010

Das war schön - unsere Gemeindefahrt in das Dreiländereck Deutschland, Niederlande, Belgien. Und abwechslungsreich war es. Nicht nur das Wetter, das immer das Gegenteil davon tat, was vorausgesagt war, sondern auch die Eindrücke, die wir während der Fahrt sammelten, waren von einem kontrastreichen Wechselspiel geprägt. Man denke nur an die „Perle der Eifel“, Monschau, im Vergleich zu Lüttich, der Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle- und Stahlindustrie und heutigem kulturellen Zentrum der Wallonie.

Aber von Anfang an.

Montagmorgen um zehn Uhr ging es los. Gut, nicht ganz, denn bis alle Mitfahrer unserer diesjährigen Gemeindefahrt nach Aachen und Umgebung beisammen waren, wurde es knapp halb Elf. Nachdem die Koffer und Fahrtteilnehmer im Bus verstaut waren, konnte man in 32 freudig-gespannte Gesichter blicken.

Wir machten einen Zwischenhalt in Maria Laach und nahmen Frau Doris Heintz in Empfang, die aus Bonn angereist war. Natürlich besichtigten wir die von Heinrich des II. von Laach und seiner Frau Adelheid gestifteten, zwischen 1093 und 1216 erbauten berühmte Abtei und nach dem Mittagessen hatten wir noch eine gute Stunde, bis wir unser Ziel erreichten. Das Hotel lag in einem netten, kleinen Örtchen namens Simonskall, eingebettet in einem wunderschönen Eifeltal, das nach unseren Tagestouren zu schönen Spaziergängen einlud. Um ins Tal zu kommen, musste unser Bus eine sehr enge Serpentinenstraße hinabfahren und am Anreisetag wäre fast ein entgegenkommender Motorradfahrer in uns hineingekracht. Pikanterweise genau am Eingang eines Urnenwaldes. Glücklicherweise kamen aber alle Beteiligten mit dem Schrecken davon.

Der Tag nach der Ankunft führte uns in das wunderschöne Städtchen Monschau. Zu meiner Verwunderung waren selbst manche unserer erfahrensten Reiseteilnehmer bislang nicht in dem malerischen Örtchen an der Rur gewesen. So zeigten sich gar einige „alten Hasen“ von dem Stadtbild beeindruckt. Wir besuchten unter anderem das Rote Haus, den ehemaligen Stammsitz der Textilindustriellen-Familie Scheibler. Quer durch die Rureifel, mit Zwischenstation am Staudamm Obersee, fuhren wir zum Abschluss des Tages nach Nideggen und statteten dort der im 12. Jahrhundert errichteten Burg sowie der romanischen Pfarrkirche einen Besuch ab.

Wie es Tradition ist, hatte Manuel Tögel wieder ein literarisches Schmankerl ausgewählt, das uns allabendlich zu Gehör gebracht wurde.  Dieses Jahr war Goethe an der Reihe und zwar mit einem eher unbekannten Werk, der autobiographischen Prosaschrift „Kampagne in Frankreich“.  Goethe schildert darin seine Teilnahme am Feldzug deutscher und österreichischer Monarchen gegen das jakobinische Frankreich im Herbst 1792. So interessant die Ausführungen waren, leider reichte die Zeit nicht, um das gesamte Werk zu lesen, so dass wir uns mit Ausschnitten begnügen mussten.

Nach einer geruhsamen Nacht brachen wir am Mittwoch nach Aachen auf. Auf dem Weg dorthin machten wir in Kornelimünster Station. Es regnete Bindfäden und wir liefen flugs in die zur Reichsabtei gehörenden Pfarrkirche St. Kornelius.  Für Wallfahrer ist Kornelimünster eine Pflichtstation, denn dort kann man sich - der entsprechende Glaube vorausgesetzt - an dem Schurztuch, dem Grabtuch und dem Schweißtuch Jesu ergötzen.

Nun aber auf nach Aachen. Aufgrund unserer sonnigen Gemüter konnte uns der noch immer strömende Regen nichts anhaben und wir statteten dem markanten Rathaus einen Besuch ab. Dort besichtigten wir den Krönungsfestsaal, der mit einem Zyklus großflächiger Fresken des Malers Alfred Rethel ausgeschmückt ist, auf denen Stationen und Legenden aus dem Leben Karls des Großen zu sehen sind. Auf eine Führung im Dom verzichteten wir, da der Thron Kaiser Karls wegen Renovierung verhüllt war. Stattdessen setzte Manuel Tögel zu einer allgemeinen Einführung im Innern des Doms an, wurde aber sogleich von einem „Domwächter“ unterbrochen, der anscheinend jegliche Fremdführungen strikt zu unterbinden hatte. Wir also wieder raus, Vortrag, wieder rein. Wir sind ja flexibel. Nach der Mittagspause ging’s zum Suermondt-Ludwig-Museum mit einer beeindruckenden Gemäldesammlung von der Renaissance bis zur klassischen Moderne. Damit fand der Aachen –Ausflug einen schönen Abschluss.

Der folgende Tag führte uns über die Grenze nach Lüttich, einer Stadt, deren Charme sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Dass die Wallonie zum ärmeren Teil Belgiens gehört, war unübersehbar. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, Lüttich sei irgendwie chaotisch, ein kleiner urbaner Moloch. Und doch, in der Innenstadt herrschte fast eine südeuropäische Atmosphäre. Hier besichtigten wir die die Kirche Saint-Barthélemy, die Kathedrale Saint-Paul und das fürstbischöfliche Palais. Nach einem kleinen Spaziergang entlang der Maas besuchten wir als letzte Station des heutigen Tages das Museum für moderne Kunst, das in dem ehemaligen Weltausstellungspalast aus dem Jahre 1905 untergebracht ist. Hier konnten wir Werke unter anderem von Picasso, Gauguin, Monet und Chagall bewundern. Nach einer kleinen Odyssee mit dem Bus durch den Verkehrsdschungel Lüttichs kamen wir erschöpft aber zufrieden wieder in Simonskall an.

Wenn ich zu Beginn meiner Ausführungen von einer abwechslungsreichen Reise sprach, so wurde bei unserem letzten Reiseziel, Maastricht, der Kontrast der vergangenen Tage überdeutlich. Maastricht präsentierte sich, kaum 50 Kilometer von Lüttich entfernt, als sehr saubere und gut organisierte Stadt. Darüber hinaus zeigte sich ein lange nicht gesehener Himmelskörper, die Sonne, und es wurde ein in jeder Hinsicht wundervoller Tag.

Maastricht - St. Servatius- und St. Johanniskirche

Wir steuerten den Marktplatz an in dessen Mitte das Maastrichter Rathaus herausragt. Von dort aus gingen wir zur St. Servatiuskirche, die uns im Innenraum mit derart weihrauchgeschwängerter Luft empfing, dass so mancher auf der Türschwelle sogleich kehrt machte und andere nur mit provisorischem Mundschutz die Kirche betraten. Nach der Mittagspause, die von vielen Mitreisenden zum Verzehr der schon vom Busfahrer angepriesenen frischen Matjes genutzt wurde, machten wir eine kleine Schiffsrundfahrt auf der Maas. Es folgte die Besichtigung der Frauenkirche und des Höllentores, dem ältesten Stadttor der Niederlande.

Unsere Reise neigte sich nun dem Ende entgegen. Nachdem wir voller Erheiterung der obligatorischen, berühmt-berüchtigten Abschlussrede unseres ersten Vorstehers Dr. Helmut Reeh gelauscht hatten, stimmten wir am letzten Abend auch über das Reiseziel der kommenden Gemeindefahrt und deren Termin ab. Die Abstimmung ergab Weimar als nächstes Reiseziel und als Termin wurde der 23. bis 28 Mai 2011 festgelegt. Sofern alle organisatorischen Hürden genommen werden können, freuen wir uns schon jetzt auf die nächstjährige Gemeindefahrt in die europäische Kulturhauptstadt von 1999.

 

Alexander Schmahl

 
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