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Herbstfreizeit 2009

Trier – 12. bis 17. Oktober

Alexander Schmahl
Sofern man sich die bisherigen Reiseziele der Gemeinde anschaut, ist kaum eine geschichtsträchtige deutsche Stadt ausgelassen worden, doch nach Trier waren wir noch nie gefahren. Da „geschichtsträchtig“ ein Attribut ist, das man Trier ohne Umschweife zukommen lassen kann, wurde es höchste Zeit, der Stadt ein Besuch abzustatten. Die Reisegruppe unserer diesjährigen Herbstfreizeit setzte sich aus zehn Kindern und zwölf Erwachsenen zusammen und gemeinsam wollten wir in der Woche vom 12. bis 17. Oktober 2009 Trier erkunden und erleben.

Von unserem Zug abgesehen trafen alle pünktlich am Frankfurter Hauptbahnhof ein und wir konnten frohen Mutes und der Hoffnung auf gutes Wetter nach Trier aufbrechen. In Koblenz mussten wir umsteigen und ohne die Verspätung unseres Zuges wäre dies auch reibungslos vonstatten gegangen, doch so hatten wir nur fünf Minuten Zeit uns zu sammeln, den Bahnsteig zu wechseln und die Fahrt fortzusetzen. Keine Panik, dachten wir uns, fünf Minuten sollten ausreichen. Um auf ein anderes Gleis zu kommen, sind in Koblenz jedoch keine herrschaftlichen, breiten Treppen vorgesehen, die die Reisenden bequem hinab- und hinaufsteigen können, sondern schnöde, schmale Rolltreppen. Diese haben zwar den Vorteil, nicht gehen zu müssen, sondern rollen zu können, doch würden Duzende von eiligen, gepäckbeladenen Reisenden zugunsten des rechtzeitigen Erreichens ihres Anschlusszuges, gerne auf das beengte Rollen verzichten. Lange Rede, kurzer Sinn, die stressbedingten Schweißperlen auf der Stirn waren trotz des Staus auf der Rolltreppe schnell getrocknet und wir erreichten unseren Zug noch rechtzeitig. 

In Trier angekommen, trennte sich die Gruppe, die Erwachsenen bezogen ihr Hotel und die Kinder und Jugendlichen nebst Betreuer ein ganz in der nähe gelegenes Jugendgästehaus. Hier stießen Dr. Helmut Reeh nebst Gattin und der Enkel Erik und Henrik zur Gruppe, die in der Umgebung von Trier Urlaub gemacht hatten. Die Anreise hatte uns nicht sämtliche Energie geraubt und so besichtigten wir noch vor dem Abendessen die Benediktinerabtei St. Matthias, die mit der vermeintlichen Grabstätte des Apostels Matthias das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen beherbergen soll.

Nachdem die Kinder ins Jugendgästehaus zurückgekehrt waren, begaben sich die Erwachsenen auf die Suche nach einem gemütlichen Lokal. Doch dies gestaltete sich komplizierter als gedacht, denn wir mussten feststellen, dass sich der Alterdurchschnitt der Bevölkerung Triers scheinbar entgegengesetzt zum Altersschnitt Deutschlands entwickelt hat. Wahrscheinlich des großen Anteils der Studenten in Trier geschuldet, sind die Gaststätten im Innenstadtbereich nur bedingt für Gäste über 30 Jahren konzipiert. Die Einrichtungen grell, das Speise- und Moselweinangebot dürftig und die Musik zu laut. Nach einigem hin und her fanden wir schließlich doch noch ein nettes Lokal mit einem kleinen Separee, das unseren Ansprüchen einigermaßen genügte. Nach dem Essen hatte Pfarrer Dr. Tögel traditionsgemäß ein poetisches Schmankerl im Gepäck – die Winterreise von Heinrich Heine. Wie schon bei der letzten Gemeindefahrt in Neuburg an der Donau als Friedrich Hölderlin auf dem Tögelschen Lesepult lag, lauschte auch dieses Mal die Reisegruppe jeden Abend gespannt und konzentriert den dichterischen Ausführungen.

Am nächsten Morgen trafen wir uns mit der Jugendgruppe auf dem Trierer Hauptmarkt, wo unsere Stadtbesichtigung beginnen sollte. Es schien die Sonne, doch begannen vor allem einige Kinder zu zweifeln, ob ihre Kleidung den frischen Temperaturen des beginnen Herbstes genügen würde. Peu à peu wurde daher an diesem und den folgenden Tagen das mitgebrachte Kleiderkontigent durch Handschuhe, Schals und warmes Schuhwerk ergänzt. Nach einer kurzen Erläuterung zum Hauptmarkt, der im Mittelalter als Warenverkaufs- und Handelsplatz diente und heute von Gebäuden aus der Renaissance, dem Barock, dem Klassizismus und dem Späthistorismus umsäumt ist, machten wir uns auf, die Stadt zu erschließen.

Zwar ist Trier vom Gesamtbild her gesehen keine sonderlich schöne Stadt, doch ist es gespickt mit bedeutenden Bauwerken von der Römer- bis zur Neuzeit, die wie Oasen aus dem mediokren Stadtbild herausragen. Viele Sehenswürdigkeiten wie das Amphitheater, die Kaiserthermen, die Konstantinbasilika, die Porta Nigra, die Römerbrücke, der Dom sowie die Liebfrauenkirche zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und selbstverständlich haben wir keines der historisch-architektonischen Schmuckstücke ausgelassen.

Der erste Weg führte uns an das wohl bekannteste Trierer Wahrzeichen, die Porta Nigra. Die Porta, wie die Trierer Einwohner sagen, ist ein ehemaliges römisches Stadttor und wurde im Jahr 180 als nördlicher Zugang zur Stadt errichtet. Bevor wir das Stadttor stürmten, berichtete Pfarrer Tögel über die historischen Zusammenhänge der Römer und der Stadt Trier. Trier wurde vor über 2000 Jahren unter dem Namen Augusta Treverorum gegründet wurde und beansprucht den Titel der ältesten Stadt Deutschlands für sich. Trebeta, der Sohn des Assyrerkönigs Ninus, soll Trier der Sage nach gar 1300 Jahre vor der Entstehung Roms gegründet haben. Darauf verweist eine Inschrift aus dem Jahre 1684 am Roten Haus am Trierer Hauptmarkt: „ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS. PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR.“ („Vor Rom stand Trier tausenddreihundert Jahre. Möge es weiter bestehen und sich eines ewigen Friedens erfreuen.“). Im Jahre 275 wurde Trier durch die Alemannen zerstört, während der Herrschaft Konstantins des Großen (306–337) wieder aufgebaut und fungierte eine Zeit lang als Regierungssitz des Weströmischen Reiches. Nach dem Ende der römischen Herrschaft in Westeuropa wurde Trier 475 durch die Franken eingenommen. Nach der hier natürlich sehr verkürzt dargestellten Einführung zu den Anfängen der Trierer Stadtgeschichte betraten wir das schwarze Tor.

Während sich die Erwachsenen von der düster-monumentalen Atmosphäre der Porta Nigra in den Bann ziehen ließen, versammelten sich die Kinder in einer dunklen Ecke der Porta und wir fragten uns, was es dort interessantes zu sehen gebe. Nun, dies war die erste Begegnung mit einer der durch das Touristenbüro vielfach in Trier aufgestellten Gedenkmünzprägeautomaten. Das Ganze funktioniert, indem man einen Euro in einen Wurfschlitz wirft, an einer Kurbel dreht und klick und klack und klong plumpst eine Fünf-Cent-Münze mit eingeprägten Trierer Stadtbild aus dem Ausgabeschacht. Na ja, vielleicht war es schlicht die Ähnlichkeit mit einem Kaugummiautomaten, die unsere Kinder immer wieder auf scheinbar magische Weise an diese Apparate zog. Ich möchte jedenfalls nicht wissen, wie viele Ein-Euro-Münzen während unseres Aufenthalts in zerstanzte Fünf-Cent-Münzen verwandelt wurden.

Mittlerweile waren die ersten Touristenbusse in Trier eingetroffen und wir kämpften uns durch die Menschenmassen zum Dom, wo ich den Kindern kurz die Geschichte um den heiligen Rock und den Beginn der freireligiösen Bewegung im 19. Jahrhundert ins Gedächtnis zurückrief und Manuel Tögel die obligatorischen baugeschichtlichen Hintergründe des Doms zum Besten gab. Nach der Mittagspause machten wir einem kurzen Abstecher ins Diözesanmuseum, in dem wir eine aus 30.000 Teilen zusammengesetzte, unter dem Dom gefundene spätantike Deckenmalerei bestaunten. Weilt man in Trier, kommt man natürlich nicht um den berühmtesten Sohn der Stadt, Karl Marx, herum und der Besuch seines Geburtshauses ist eigentlich Pflicht. Letztlich hatten wir uns jedoch gegen eine Besichtigung entschieden, da dies für die Kinder auf Grund der vor allem aus Informationstafeln bestehenden Ausstellung nicht sonderlich spannend gewesen wäre. Stattdessen gab ich vor dem Geburtshaus einen kurzen Überblick über Marx’ Leben und Werk, dem die Kinder zu meiner Freude gespannt lauschten. Zum Abschluss des Tages stand noch die Römerbrücke, die älteste Steinbrücke Deutschlands (erbaut 45 n.Chr.), auf dem Programm.

In Trier gibt es zwar viel zu sehen, doch auch die Umgebung ist sehr reizvoll und so waren zwei Tagesausflüge nach Luxemburg und Bernkastel-Kues geplant. Heute ging es mit dem Bus nach Echternach und Vianden in Luxemburg. Echternach, Hauptort der kleinen Luxemburger Schweiz, wurde vom heiligen Willibrord im Jahre 698 gegründet und ist die älteste Stadt Luxemburg. Besonders sehenswert ist die St. Willibrord Basilika, der wir selbstverständlich einen Besuch abstatteten. Nach den Ausführungen unseres Pfarrers im Innenraum gingen wir in die Krypta, in der über einem Gewölbebogen der Satz „Gedenket Eurer Vorsteher“ zu lesen ist, was mit Blick auf unseren 1. Vorsteher Herrn Dr. Reeh einige Mitreisende zu spitzen Kommentaren veranlasste. Nach einem Rundgang über den Marktplatz besichtigten wir die frühere Pfarrkirche St. Peter und Paul, einem jener kirchlichen Kleinode, die nicht in jedem Reiseführer stehen und doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Entlang der Sauer fuhren wir weiter nach Vianden. Auf dem Weg dorthin wollten wir einen durch den Busfahrer angeregten Zwischenhalt bei einem Aussichtspunkt machen, doch der Busfahrer verfranzte sich und statt einer schönen Aussicht bekamen wir ein kleines Verkehrchaos beim Wenden des Busse zu sehen. Vianden begrüßte uns mit einer malerischen Stadtansicht inklusive des hoch über der Stadt gelegenen, imposanten Schlosses. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen, bei dem zusätzlich zu den bestellten Speisen riesige Schüsseln mit Salat und Pommes frites kredenzt wurden, die allein unseren Kalorienbedarf für die nächsten zwei Tage gedeckt hätten, begannen wir den Aufstieg zum Schloss. Wer einmal nach Luxemburg kommt, sollte Vianden keinesfalls links liegen lassen, denn allein die spätromanische Kapelle des Schlosses ist eine Reise wert. Das Schloss wurde vom 11. bis 14 Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen Kastells und eines karolingischen Refugiums gebaut und ist eine der größten und schönsten feudalen Residenzen der romanischen und gotischen Zeit in Europa.

Gegen 16.00 Uhr fuhren wir zurück ins Hotel und Jugendgästehaus und wir hatten wieder einmal das Gefühl, viel gesehen und erlebt zu haben.

Kommt ein langsam gehender Mensch des Weges daher und wir von einem Trierer beobachtet, kann es sein, dass dieser folgenden Satz verlauten lässt: "Dem ahlen Troaterpitter kann mer beim Giehn de Schuh besohlen" (Dem alten Schnarchsack kann man beim Gehen die Schuhe besohlen.). Ich bin mir sicher, keinem Trierer kam dieser Spruch über die Lippen, als unsere Reisegruppe am heutigen Tag die Stadt unsicher machte. Nicht, dass Sie einen falschen Eindruck bekommen, wir hetzten nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, doch heute hatten wir viel vor und am Ende des Tages spürte der eine oder andere Mitreisende seine müden Knochen.

Dies führt mich zu einem Aspekt, den ich als Jugendfahrten-Neuling bei den Unitariern durchaus bemerkenswert finde: Es wurde niemals gejammert. Wann immer ich in der Vergangenheit mit anderen Institutionen an ähnlichen Fahrten teilgenommen hatte, wurde spätestens nach drei Stunden Besichtigungsprogramm die Jammertüte ausgepackt. Aber wenn ich mich an die Trier-Fahrt zurückerinnere, gab es nur einen Umstand, der bei einigen Kinder eine schmollende Gemütshaltung hinterließ und sie veranlasste, die Betreuer zumindest kurz mit bösen Blicken zu traktieren: Nämlich, wenn der Wunsch unseres Nachwuchses, morgens um 10 Uhr bei einem bekannten Hamburgerrestaurant ein zweites Frühstück einzunehmen, nicht auf den erhofften positiven Widerhall stieß – bei aller Zuneigung, es gibt Grenzen. Ansonsten herrschte Friede, Freude, Eicherkuchen. Also, ganz großes Lob an unsere Kinder und Jugendlichen.

Der Tag begann mit dem Besuch der Viehmarktthermen, die beim Aushub einer Tiefgarage 1987 entdeckt wurden. Nach einem interessanten Vortrag über die Funktion und Bedeutung römischer Thermen durch Manuel Tögel wurden die Thermen erkundet und boten einen kleinen Vorgeschmack auf die riesige Anlage der Kaiserthermen, die später am Tage besichtigt werden sollten. Weiter ging es zur Konstantinbasilika, die mit dem größten Einzelraum aufwartet, der aus der Antike erhalten geblieben ist. Der ehemalige Thronsaal Kaiser Konstantins wurde im 4. Jahrhundert erbaut, war zu damaligen Zeiten im Innern mit Marmor ausgekleidet und wie es sich für eine ordentliche kaiserlichen Palastaula gehört, waren Fußboden und sogar die Wände mit einer Heizung ausgestattet. Geht man um die Basilika herum, stößt man unweigerlich auf das kürfüstliche Palais, das mit seiner Renaissance- und Rokokofassade, die von Balthasar-Neumann-Schüler Johannes Seiz gestaltet wurde, einen baukulturellen Sprung von 1300 Jahren zur Basilika aufzeigte. Man fühlte sich durch den visuellen Kontrast fast geblendet.

Nach der Mittagspause statteten wir dem Rheinischen Landesmuseum einen Besuch ab, in dessen Innenhof eine Kopie der Igeler Säule zu bestaunen ist, deren Original um 250 von den Brüdern Lucius Secundinius Aventinus und Lucius Secundinius Securus als Grabmal für sich und ihre verstorbenen Angehörigen errichtet worden ist. Leider hatten wir viel zu wenig Zeit für das Museum, so dass wir uns im Wesentlichen auf die antiken Exponate beschränken mussten. Weiter führte uns der Weg in die nahe gelegenen Kaiserthermen, einer großflächigen Anlage, die einst als monumentaler Repräsentationsbau der Kaiser Constantius Chlorus und seines Sohnes Konstantin dienten. Die unterirdischen Gänge der Versorgungsinfrastruktur der Thermen machten vor allem unserer Kindergruppe viel Spaß, denn dieses dunkle Labyrinth wirkte mit ein wenig Phantasie fast wie der Eingang zum Orkus. Es hätte nur noch Cerberus gefehlt, der hinter irgendeiner Ecke hervorlugt - genau das Richtige für unsere kleinen Abenteurer.

Die letzte Station des heutigen Tages war das Amphitheater, dass mit seinen ursprünglich 18.000 Plätzen für vergnügungssüchtige Römer eine stattliche Größe aufwies. Mittlerweile hatte sich ein wenig Müdigkeiten den Köpfen und Beinen der Mitreisenden eingeschlichen und alle freuten sich darauf, die Füße hochzulegen und mit einem zünftigen Abendessen den Tag ausklingen zu lassen.

Wie Sie sicherlich alle wissen, stellt Nikolaus von Kues mit seinen philosophisch-theologischen Gedanken für unsere Gemeinde eine wichtige Persönlichkeit dar. Da Trier unweit von Bernkastel-Kues liegt, fuhren wir am letzten Besichtigungstag mit dem Bus in Nikolaus’ Geburtsstadt, um uns das Cusanusstift und das Geburtshaus anzusehen. Im Stift erwarteten uns zwei Führer, eine fröhlich dreinblickende Dame und ein freundlicher, älterer Herr, ein ehemaliger Gymnasiallehrer. Unsere Gruppe wurde aufgeteilt, die Erwachsenen folgten der Dame und die Kinder natürlich dem Lehrer.

Unserer Führerin fragte - wie sie dies wahrscheinlich bei jeder Gruppe macht - ob wir schon etwas über Nikolaus von Kues wüssten. Was für eine Frage. Dr. Tögel begann sogleich unser gesammeltes Wissen über Cusanus zu referieren und wir mussten ihn ein wenig bremsen, denn sonst hätte die Dame gar nichts mehr zu erzählen gehabt. Die Führerin kam dadurch ein wenig aus dem Konzept, bescherte uns aber eine sehr schöne, informative Führung, deren Höhepunkt die Bibliothek sein sollte. Die Bibliothek des St. Nikolaus-Hospitals mit ihren 314 Büchern aus dem 9.-15. Jahrhunderts ist eine der wertvollsten privaten Handschriftensammlungen und von unschätzbarem materiellen und wissenschaftlichen Wert. Erstaunlicherweise ist keines der Bücher versichert und uns wurde erklärte, warum dies so ist. Das Cusanusstift kann sich schlicht nicht die Schätzung der Bücher, geschweige denn die Versicherungsbeiträge, leisten. Eines der Bücher wurde 1978 auf 12 Millionen Mark geschätzt und besitzt heute wahrscheinlich den doppelten Wert in Euro. Nun, das leuchtete ein. Weiter durch den Kreuzgang, der in jedem seiner Flügel ein fast unmerklich anderes Netzgewölbe aufweist. Auch die Fenster sind voneinander verschieden, was einem aber erst auf den zweiten Blick auffällt. Der Bauherr hatte jedoch keinen Knick in der Optik. Nein, das war so gewollt. Trotz der Unterschiede im Detail besitzt die Anlage ein harmonisches Gesamtbild, was dem cusanischen Gedanken des Zusammenfalls der Gegensätze im unendlich Einen, der coincidentia oppositorum, Ausdruck verleiht. Zum Abschluss besichtigten wir die Kapelle und trafen alsbald auf die Kindergruppe, die eine ebenso schöne Führung erlebt hatten. Nach der Mittagspause besuchten wir noch das direkt an der Mosel gelegene Geburtshaus, wo sich unsere Kleinen besonders für das von Nikolaus von Kues entwickelte Globusspiel (Globoule) zu interessieren schienen. Ziel des Spiels ist es, den Globulus, eine halbkugelartig ausgehöhlte Holzkugel, möglichst nah am Mittelpunkt von konzentrisch angeordneten Kreisen zu platzieren. Gar nicht so einfach, doch die Kinder ließen bis zum Aufbruch nicht locker.

Am letzten Abend trafen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Jugendgästehaus zum gemeinsamen Speisen und Spielen, wobei Lena, Julia und Lorena im Anschluss an das Essen eine eigens einstudierte Tanzchoreographie darboten. Anneliese Bonn und Ellen Unterberg hatten überdies zwei Spiele vorbereitet. Zum einen wurde unser Wissen über Trier abgefragt und zum anderen bildeten wir einen Kreis und ein ominöses Päckchen, das ganz wie ein Geschenk aussah, wanderte Kreuz und Quer durch die Runde, bis es schließlich in die Hände unseres Pfarrers gelangte, der das Päckchen auspacken durfte. Als kleines Dankeschön für die Fahrt erhielt Manuel Tögel einen ausziehbaren Kugelschreiber, der auch als Zeigestab verwendet werden kann. Bestimmt wird dieser auf der nächsten Fahrt zum Einsatz kommen.

Der folgende Tag war der Rückfahrt vorbehalten und bis auf eine verlorenen geglaubte Bahnfahrkarte – übrigens einer Erwachsenen Mitreisenden – lief alles glatt, was man übrigens von der gesamten Fahrt behaupten kann. Es gab keine versehentlich irgendwo zurückgelassenen Kinder oder Erwachsenen, keine nächtliche Fahrten ins Krankenhaus, keine Betreuer am Rande des Nervenzusammenbruchs usw. Nein, alles war gut und ich glaube sagen zu können, allen Mitreisenden hat die Fahrt große Freude bereitet. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Herbstfreizeit, die uns im Oktober 2010 voraussichtlich nach Hamburg führen wird. Zum Schluss möchte ich mich noch bei unseren Jugendbetreuern Nikolaus, Florian, Laura und Laura bedanken, die ihre Sache bemerkenswert gut gemacht haben.

Alexander Schmahl

 
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