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Sofern man sich die bisherigen Reiseziele der
Gemeinde anschaut, ist kaum eine geschichtsträchtige deutsche Stadt
ausgelassen worden, doch nach Trier waren wir noch nie gefahren. Da
„geschichtsträchtig“ ein Attribut ist, das man Trier ohne Umschweife
zukommen lassen kann, wurde es höchste Zeit, der Stadt ein Besuch
abzustatten. Die Reisegruppe unserer diesjährigen Herbstfreizeit setzte
sich aus zehn Kindern und zwölf Erwachsenen zusammen und gemeinsam wollten
wir in der Woche vom 12. bis 17. Oktober 2009 Trier erkunden und erleben.
Von unserem Zug abgesehen trafen alle pünktlich
am Frankfurter Hauptbahnhof ein und wir konnten frohen Mutes und der
Hoffnung auf gutes Wetter nach Trier aufbrechen. In Koblenz mussten wir
umsteigen und ohne die Verspätung unseres Zuges wäre dies auch reibungslos
vonstatten gegangen, doch so hatten wir nur fünf Minuten Zeit uns zu
sammeln, den Bahnsteig zu wechseln und die Fahrt fortzusetzen. Keine Panik,
dachten wir uns, fünf Minuten sollten ausreichen. Um auf ein anderes Gleis
zu kommen, sind in Koblenz jedoch keine herrschaftlichen, breiten Treppen
vorgesehen, die die Reisenden bequem hinab- und hinaufsteigen können,
sondern schnöde, schmale Rolltreppen. Diese haben zwar den Vorteil, nicht
gehen zu müssen, sondern rollen zu können, doch würden Duzende von
eiligen, gepäckbeladenen Reisenden zugunsten des rechtzeitigen Erreichens
ihres Anschlusszuges, gerne auf das beengte Rollen verzichten. Lange Rede,
kurzer Sinn, die stressbedingten Schweißperlen auf der Stirn waren trotz
des Staus auf der Rolltreppe schnell getrocknet und wir erreichten unseren
Zug noch rechtzeitig.
In Trier angekommen, trennte sich die Gruppe,
die Erwachsenen bezogen ihr Hotel und die Kinder und Jugendlichen nebst
Betreuer ein ganz in der nähe gelegenes Jugendgästehaus. Hier stießen Dr.
Helmut Reeh nebst Gattin und der Enkel Erik und Henrik zur Gruppe, die in
der Umgebung von Trier Urlaub gemacht hatten. Die Anreise hatte uns nicht sämtliche
Energie geraubt und so besichtigten wir noch vor dem Abendessen die
Benediktinerabtei St. Matthias, die mit der vermeintlichen Grabstätte des
Apostels Matthias das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen beherbergen
soll.
Nachdem die Kinder ins Jugendgästehaus zurückgekehrt
waren, begaben sich die Erwachsenen auf die Suche nach einem gemütlichen
Lokal. Doch dies gestaltete sich komplizierter als gedacht, denn wir mussten
feststellen, dass sich der Alterdurchschnitt der Bevölkerung Triers
scheinbar entgegengesetzt zum Altersschnitt Deutschlands entwickelt hat.
Wahrscheinlich des großen Anteils der Studenten in Trier geschuldet, sind
die Gaststätten im Innenstadtbereich nur bedingt für Gäste über 30
Jahren konzipiert. Die Einrichtungen grell, das Speise- und Moselweinangebot
dürftig und die Musik zu laut. Nach einigem hin und her fanden wir schließlich
doch noch ein nettes Lokal mit einem kleinen Separee, das unseren Ansprüchen
einigermaßen genügte. Nach dem Essen hatte Pfarrer Dr. Tögel
traditionsgemäß ein poetisches Schmankerl im Gepäck – die Winterreise
von Heinrich Heine. Wie schon bei der letzten Gemeindefahrt in Neuburg an
der Donau als Friedrich Hölderlin auf dem Tögelschen Lesepult lag,
lauschte auch dieses Mal die Reisegruppe jeden Abend gespannt und
konzentriert den dichterischen Ausführungen.
Am nächsten Morgen trafen wir uns mit der
Jugendgruppe auf dem Trierer Hauptmarkt, wo unsere Stadtbesichtigung
beginnen sollte. Es schien die Sonne, doch begannen vor allem einige Kinder
zu zweifeln, ob ihre Kleidung den frischen Temperaturen des beginnen
Herbstes genügen würde. Peu à peu wurde daher an diesem und den folgenden
Tagen das mitgebrachte Kleiderkontigent durch Handschuhe, Schals und warmes
Schuhwerk ergänzt. Nach einer kurzen Erläuterung zum Hauptmarkt, der im
Mittelalter als Warenverkaufs- und Handelsplatz diente und heute von Gebäuden
aus der Renaissance, dem Barock, dem Klassizismus und dem Späthistorismus
umsäumt ist, machten wir uns auf, die Stadt zu erschließen.
Zwar ist Trier vom Gesamtbild her gesehen
keine sonderlich schöne Stadt, doch ist es gespickt mit bedeutenden
Bauwerken von der Römer- bis zur Neuzeit, die wie Oasen aus dem mediokren
Stadtbild herausragen. Viele Sehenswürdigkeiten wie das Amphitheater, die
Kaiserthermen, die Konstantinbasilika, die Porta Nigra, die Römerbrücke,
der Dom sowie die Liebfrauenkirche zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und
selbstverständlich haben wir keines der historisch-architektonischen
Schmuckstücke ausgelassen.
Der erste Weg führte uns an das wohl
bekannteste Trierer Wahrzeichen, die Porta Nigra. Die Porta, wie die Trierer
Einwohner sagen, ist ein ehemaliges römisches Stadttor und wurde im Jahr
180 als nördlicher Zugang zur Stadt errichtet. Bevor wir das Stadttor stürmten,
berichtete Pfarrer Tögel über die historischen Zusammenhänge der Römer
und der Stadt Trier. Trier wurde vor über 2000 Jahren unter dem Namen
Augusta Treverorum gegründet wurde und beansprucht den Titel der ältesten
Stadt Deutschlands für sich. Trebeta, der Sohn des Assyrerkönigs Ninus,
soll Trier der Sage nach gar 1300 Jahre vor der Entstehung Roms gegründet
haben. Darauf verweist eine Inschrift aus dem Jahre 1684 am Roten Haus am
Trierer Hauptmarkt: „ANTE ROMAM TREVERIS STETIT ANNIS MILLE TRECENTIS.
PERSTET ET AETERNA PACE FRUATUR.“ („Vor Rom stand Trier
tausenddreihundert Jahre. Möge es weiter bestehen und sich eines ewigen
Friedens erfreuen.“). Im Jahre 275 wurde Trier durch die Alemannen zerstört,
während der Herrschaft Konstantins des Großen (306–337) wieder aufgebaut
und fungierte eine Zeit lang als Regierungssitz des Weströmischen Reiches.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft in Westeuropa wurde Trier 475 durch
die Franken eingenommen. Nach der hier natürlich sehr verkürzt
dargestellten Einführung zu den Anfängen der Trierer Stadtgeschichte
betraten wir das schwarze Tor.
Während sich die Erwachsenen von der düster-monumentalen
Atmosphäre der Porta Nigra in den Bann ziehen ließen, versammelten sich
die Kinder in einer dunklen Ecke der Porta und wir fragten uns, was es dort
interessantes zu sehen gebe. Nun, dies war die erste Begegnung mit einer der
durch das Touristenbüro vielfach in Trier aufgestellten Gedenkmünzprägeautomaten.
Das Ganze funktioniert, indem man einen Euro in einen Wurfschlitz wirft, an
einer Kurbel dreht und klick und klack und klong plumpst eine Fünf-Cent-Münze
mit eingeprägten Trierer Stadtbild aus dem Ausgabeschacht. Na ja,
vielleicht war es schlicht die Ähnlichkeit mit einem Kaugummiautomaten, die
unsere Kinder immer wieder auf scheinbar magische Weise an diese Apparate
zog. Ich möchte jedenfalls nicht wissen, wie viele Ein-Euro-Münzen während
unseres Aufenthalts in zerstanzte Fünf-Cent-Münzen verwandelt wurden.
Mittlerweile waren die ersten Touristenbusse
in Trier eingetroffen und wir kämpften uns durch die Menschenmassen zum
Dom, wo ich den Kindern kurz die Geschichte um den heiligen Rock und den
Beginn der freireligiösen Bewegung im 19. Jahrhundert ins Gedächtnis zurückrief
und Manuel Tögel die obligatorischen baugeschichtlichen Hintergründe des
Doms zum Besten gab. Nach der Mittagspause machten wir einem kurzen
Abstecher ins Diözesanmuseum, in dem wir eine aus 30.000 Teilen
zusammengesetzte, unter dem Dom gefundene spätantike Deckenmalerei
bestaunten. Weilt man in Trier, kommt man natürlich nicht um den berühmtesten
Sohn der Stadt, Karl Marx, herum und der Besuch seines Geburtshauses ist
eigentlich Pflicht. Letztlich hatten wir uns jedoch gegen eine Besichtigung
entschieden, da dies für die Kinder auf Grund der vor allem aus
Informationstafeln bestehenden Ausstellung nicht sonderlich spannend gewesen
wäre. Stattdessen gab ich vor dem Geburtshaus einen kurzen Überblick über
Marx’ Leben und Werk, dem die Kinder zu meiner Freude gespannt lauschten.
Zum Abschluss des Tages stand noch die Römerbrücke, die älteste Steinbrücke
Deutschlands (erbaut 45 n.Chr.), auf dem Programm.
In Trier gibt es zwar viel zu sehen, doch
auch die Umgebung ist sehr reizvoll und so waren zwei Tagesausflüge nach
Luxemburg und Bernkastel-Kues geplant. Heute ging es mit dem Bus nach
Echternach und Vianden in Luxemburg. Echternach, Hauptort der kleinen
Luxemburger Schweiz, wurde vom heiligen Willibrord im Jahre 698 gegründet
und ist die älteste Stadt Luxemburg. Besonders sehenswert ist die St.
Willibrord Basilika, der wir selbstverständlich einen Besuch abstatteten.
Nach den Ausführungen unseres Pfarrers im Innenraum gingen wir in die
Krypta, in der über einem Gewölbebogen der Satz „Gedenket Eurer
Vorsteher“ zu lesen ist, was mit Blick auf unseren 1. Vorsteher Herrn Dr.
Reeh einige Mitreisende zu spitzen Kommentaren veranlasste. Nach einem
Rundgang über den Marktplatz besichtigten wir die frühere Pfarrkirche St.
Peter und Paul, einem jener kirchlichen Kleinode, die nicht in jedem Reiseführer
stehen und doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Entlang der Sauer fuhren wir weiter nach
Vianden. Auf dem Weg dorthin wollten wir einen durch den Busfahrer
angeregten Zwischenhalt bei einem Aussichtspunkt machen, doch der Busfahrer
verfranzte sich und statt einer schönen Aussicht bekamen wir ein kleines
Verkehrchaos beim Wenden des Busse zu sehen. Vianden begrüßte uns mit
einer malerischen Stadtansicht inklusive des hoch über der Stadt gelegenen,
imposanten Schlosses. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen, bei dem zusätzlich
zu den bestellten Speisen riesige Schüsseln mit Salat und Pommes frites
kredenzt wurden, die allein unseren Kalorienbedarf für die nächsten zwei
Tage gedeckt hätten, begannen wir den Aufstieg zum Schloss. Wer einmal nach
Luxemburg kommt, sollte Vianden keinesfalls links liegen lassen, denn allein
die spätromanische Kapelle des Schlosses ist eine Reise wert. Das Schloss
wurde vom 11. bis 14 Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen
Kastells und eines karolingischen Refugiums gebaut und ist eine der größten
und schönsten feudalen Residenzen der romanischen und gotischen Zeit in
Europa.
Gegen 16.00 Uhr fuhren wir zurück ins Hotel
und Jugendgästehaus und wir hatten wieder einmal das Gefühl, viel gesehen
und erlebt zu haben.
Kommt ein langsam gehender Mensch des Weges
daher und wir von einem Trierer beobachtet, kann es sein, dass dieser
folgenden Satz verlauten lässt: "Dem ahlen Troaterpitter kann mer beim
Giehn de Schuh besohlen" (Dem alten Schnarchsack kann man beim Gehen
die Schuhe besohlen.). Ich bin mir sicher, keinem Trierer kam dieser Spruch
über die Lippen, als unsere Reisegruppe am heutigen Tag die Stadt unsicher
machte. Nicht, dass Sie einen falschen Eindruck bekommen, wir hetzten nicht
von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, doch heute hatten wir viel vor
und am Ende des Tages spürte der eine oder andere Mitreisende seine müden
Knochen.
Dies führt mich zu einem Aspekt, den ich als
Jugendfahrten-Neuling bei den Unitariern durchaus bemerkenswert finde: Es
wurde niemals gejammert. Wann immer ich in der Vergangenheit mit anderen
Institutionen an ähnlichen Fahrten teilgenommen hatte, wurde spätestens
nach drei Stunden Besichtigungsprogramm die Jammertüte ausgepackt. Aber
wenn ich mich an die Trier-Fahrt zurückerinnere, gab es nur einen Umstand,
der bei einigen Kinder eine schmollende Gemütshaltung hinterließ und sie
veranlasste, die Betreuer zumindest kurz mit bösen Blicken zu traktieren: Nämlich,
wenn der Wunsch unseres Nachwuchses, morgens um 10 Uhr bei einem bekannten
Hamburgerrestaurant ein zweites Frühstück einzunehmen, nicht auf den
erhofften positiven Widerhall stieß – bei aller Zuneigung, es gibt
Grenzen. Ansonsten herrschte Friede, Freude, Eicherkuchen. Also, ganz großes
Lob an unsere Kinder und Jugendlichen.
Der Tag begann mit dem Besuch der
Viehmarktthermen, die beim Aushub einer Tiefgarage 1987 entdeckt wurden.
Nach einem interessanten Vortrag über die Funktion und Bedeutung römischer
Thermen durch Manuel Tögel wurden die Thermen erkundet und boten einen
kleinen Vorgeschmack auf die riesige Anlage der Kaiserthermen, die später
am Tage besichtigt werden sollten. Weiter ging es zur Konstantinbasilika,
die mit dem größten Einzelraum aufwartet, der aus der Antike erhalten
geblieben ist. Der ehemalige Thronsaal Kaiser Konstantins wurde im 4.
Jahrhundert erbaut, war zu damaligen Zeiten im Innern mit Marmor
ausgekleidet und wie es sich für eine ordentliche kaiserlichen Palastaula
gehört, waren Fußboden und sogar die Wände mit einer Heizung
ausgestattet. Geht man um die Basilika herum, stößt man unweigerlich auf
das kürfüstliche Palais, das mit seiner Renaissance- und Rokokofassade,
die von Balthasar-Neumann-Schüler Johannes Seiz gestaltet wurde, einen
baukulturellen Sprung von 1300 Jahren zur Basilika aufzeigte. Man fühlte
sich durch den visuellen Kontrast fast geblendet.
Nach der Mittagspause statteten wir dem
Rheinischen Landesmuseum einen Besuch ab, in dessen Innenhof eine Kopie der
Igeler Säule zu bestaunen ist, deren Original um 250 von den Brüdern
Lucius Secundinius Aventinus und Lucius Secundinius Securus als Grabmal für
sich und ihre verstorbenen Angehörigen errichtet worden ist. Leider hatten
wir viel zu wenig Zeit für das Museum, so dass wir uns im Wesentlichen auf
die antiken Exponate beschränken mussten. Weiter führte uns der Weg in die
nahe gelegenen Kaiserthermen, einer großflächigen Anlage, die einst als
monumentaler Repräsentationsbau der Kaiser Constantius Chlorus und seines
Sohnes Konstantin dienten. Die unterirdischen Gänge der
Versorgungsinfrastruktur der Thermen machten vor allem unserer Kindergruppe
viel Spaß, denn dieses dunkle Labyrinth wirkte mit ein wenig Phantasie fast
wie der Eingang zum Orkus. Es hätte nur noch Cerberus gefehlt, der hinter
irgendeiner Ecke hervorlugt - genau das Richtige für unsere kleinen
Abenteurer.
Die letzte Station des heutigen Tages war das
Amphitheater, dass mit seinen ursprünglich 18.000 Plätzen für vergnügungssüchtige
Römer eine stattliche Größe aufwies. Mittlerweile hatte sich ein wenig Müdigkeiten
den Köpfen und Beinen der Mitreisenden eingeschlichen und alle freuten sich
darauf, die Füße hochzulegen und mit einem zünftigen Abendessen den Tag
ausklingen zu lassen.
Wie Sie sicherlich alle wissen, stellt
Nikolaus von Kues mit seinen philosophisch-theologischen Gedanken für
unsere Gemeinde eine wichtige Persönlichkeit dar. Da Trier unweit von
Bernkastel-Kues liegt, fuhren wir am letzten Besichtigungstag mit dem Bus in
Nikolaus’ Geburtsstadt, um uns das Cusanusstift und das Geburtshaus
anzusehen. Im Stift erwarteten uns zwei Führer, eine fröhlich
dreinblickende Dame und ein freundlicher, älterer Herr, ein ehemaliger
Gymnasiallehrer. Unsere Gruppe wurde aufgeteilt, die Erwachsenen folgten der
Dame und die Kinder natürlich dem Lehrer.
Unserer Führerin fragte - wie sie dies
wahrscheinlich bei jeder Gruppe macht - ob wir schon etwas über Nikolaus
von Kues wüssten. Was für eine Frage. Dr. Tögel begann sogleich unser
gesammeltes Wissen über Cusanus zu referieren und wir mussten ihn ein wenig
bremsen, denn sonst hätte die Dame gar nichts mehr zu erzählen gehabt. Die
Führerin kam dadurch ein wenig aus dem Konzept, bescherte uns aber eine
sehr schöne, informative Führung, deren Höhepunkt die Bibliothek sein
sollte. Die Bibliothek des St. Nikolaus-Hospitals mit ihren 314 Büchern aus
dem 9.-15. Jahrhunderts ist eine der wertvollsten privaten
Handschriftensammlungen und von unschätzbarem materiellen und
wissenschaftlichen Wert. Erstaunlicherweise ist keines der Bücher
versichert und uns wurde erklärte, warum dies so ist. Das Cusanusstift kann
sich schlicht nicht die Schätzung der Bücher, geschweige denn die
Versicherungsbeiträge, leisten. Eines der Bücher wurde 1978 auf 12
Millionen Mark geschätzt und besitzt heute wahrscheinlich den doppelten
Wert in Euro. Nun, das leuchtete ein. Weiter durch den Kreuzgang, der in
jedem seiner Flügel ein fast unmerklich anderes Netzgewölbe aufweist. Auch
die Fenster sind voneinander verschieden, was einem aber erst auf den
zweiten Blick auffällt. Der Bauherr hatte jedoch keinen Knick in der Optik.
Nein, das war so gewollt. Trotz der Unterschiede im Detail besitzt die
Anlage ein harmonisches Gesamtbild, was dem cusanischen Gedanken des
Zusammenfalls der Gegensätze im unendlich Einen, der coincidentia
oppositorum, Ausdruck verleiht. Zum Abschluss besichtigten wir die Kapelle
und trafen alsbald auf die Kindergruppe, die eine ebenso schöne Führung
erlebt hatten. Nach der Mittagspause besuchten wir noch das direkt an der
Mosel gelegene Geburtshaus, wo sich unsere Kleinen besonders für das von
Nikolaus von Kues entwickelte Globusspiel (Globoule) zu interessieren
schienen. Ziel des Spiels ist es, den Globulus, eine halbkugelartig ausgehöhlte
Holzkugel, möglichst nah am Mittelpunkt von konzentrisch angeordneten
Kreisen zu platzieren. Gar nicht so einfach, doch die Kinder ließen bis zum
Aufbruch nicht locker.
Am letzten Abend trafen sich Kinder,
Jugendliche und Erwachsene im Jugendgästehaus zum gemeinsamen Speisen und
Spielen, wobei Lena, Julia und Lorena im Anschluss an das Essen eine eigens
einstudierte Tanzchoreographie darboten. Anneliese Bonn und Ellen Unterberg
hatten überdies zwei Spiele vorbereitet. Zum einen wurde unser Wissen über
Trier abgefragt und zum anderen bildeten wir einen Kreis und ein ominöses Päckchen,
das ganz wie ein Geschenk aussah, wanderte Kreuz und Quer durch die Runde,
bis es schließlich in die Hände unseres Pfarrers gelangte, der das Päckchen
auspacken durfte. Als kleines Dankeschön für die Fahrt erhielt Manuel Tögel
einen ausziehbaren Kugelschreiber, der auch als Zeigestab verwendet werden
kann. Bestimmt wird dieser auf der nächsten Fahrt zum Einsatz kommen.
Der folgende Tag war der Rückfahrt
vorbehalten und bis auf eine verlorenen geglaubte Bahnfahrkarte – übrigens
einer Erwachsenen Mitreisenden – lief alles glatt, was man übrigens von
der gesamten Fahrt behaupten kann. Es gab keine versehentlich irgendwo zurückgelassenen
Kinder oder Erwachsenen, keine nächtliche Fahrten ins Krankenhaus, keine
Betreuer am Rande des Nervenzusammenbruchs usw. Nein, alles war gut und ich
glaube sagen zu können, allen Mitreisenden hat die Fahrt große Freude
bereitet. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Herbstfreizeit, die
uns im Oktober 2010 voraussichtlich nach Hamburg führen wird. Zum Schluss möchte
ich mich noch bei unseren Jugendbetreuern Nikolaus, Florian, Laura und Laura
bedanken, die ihre Sache bemerkenswert gut gemacht haben.
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